Die Kontakte zwischen der Bünder Netzwerkgruppe und der jüdischen Synagogengemeinde in Denver / USA intensivierten sich in den folgenden Jahren dennoch stetig. Besuchen in Bünde folgten Gegenbesuche in den USA. Nach 2004 fand auch in diesem Jahr wieder eine Gruppe der Synagogengemeinde aus Denver (16 Schülerinnen und Schüler) zusammen mit dem Rabbinerehepaar Rheins sowie der Witwe des inzwischen verstorbenen Werner Spanier, Elaine Spanier, den Weg nach Bünde.
Neben der Netzwerkgruppe reisten auch 6 heimische Absolventen der Otto-Benecke-Stiftung e. V. nach Berlin. Die Otto Benecke Stiftung e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die 1965 auf Initiative der Deutschen Studentenverbände in der Technischen Universität Berlin gegründet wurde. Sie ist im Auftrag der Bundesregierung tätig. Die Stiftung nimmt im Rahmen humanitärer Bildungshilfe Eingliederungsaufgaben für Aussiedler, Flüchtlinge und asylberechtigte Ausländer wahr, die in der Bundesrepublik Deutschland eine Hochschulausbildung aufnehmen oder fortsetzen wollen oder als Hochschulabsolventen ausbildungsadäquate Beschäftigungsmöglichkeiten anstreben.
Auf Einladung von Wolfgang Spanier reiste die Gruppe im Rahmen des Besuchs zusammen mit Mitgliedern der Kabarettgruppe „Freischwimmer“ aus Hiddenhausen für drei Tage nach Berlin, wo gleich zu Beginn ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen auf dem Programm stand. Für die dort Ermordeten sprach Rabbi Rheins das Kaddish, ein jüdisches Gebet zum Gedenken an die Toten.
Dass die deutsch-jüdische Geschichte weit mehr ist als der Holocaust im Zweiten Weltkrieg, machte ein Besuch im Jüdischen Museum deutlich. Seit mehr als 1000 Jahren sind Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland ansässig und Teil der Deutschen Kultur.
Ganz im Zeichen der aktuellen Politik stand der Besuch des Deutschen Bundestages. „Die amerikanischen Gäste konnten sich ein Bild vom demokratischen Deutschland und vom Umgang mit der Geschichte machen. Am meisten hat mich beeindruckt, wie offen und freundschaftlich die jungen Leute miteinander umgegangen sind“, so Wolfgang Spanier.
Bevor ein Teil der Reisegruppe die Heimfahrt nach Bünde antrat, informierte sich die Gruppe im Besucherzentrum des Holocaust-Mahnmals über die Schicksale einzelner jüdischer Familien während der Nazi-Herrschaft.
Am Abend des letzten Besuchstages fand auf Einladung der Berliner Synagogengemeinde ein Gottesdienst mit anschließenden Shabbatessen statt, an dem auch Wolfgang Spanier teilnahm.
Bünde, 02. Dezember 2008
Oliver Lüking