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Vom 12. bis zum 14. September 2008 fand in der Heimvolksschule St. Hedwigs-Haus e.V. in Oerlinghausen bei Bielefeld ein Jugendbeteiligungskongreß für junge Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte statt. Der Kongreß wurde vom Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen und unter der professionellen Leitung von zwei Diplom-Sozialpädagoginnen Margarita Bergen und Barbara Babilon-Tillmann organisiert und von Praktikanten sowie einem Kameramann begleitet.
Die jugendlichen Teilnehmer vertraten sechs verschiedene Vereine, die sich vor allem oder unter anderem der Jugendarbeit unter Migranten widmen, und zwar: Monolith Jugend – Netzwerk Aussiedler, DJR – Deutsche Jugend aus Rußland e.V., Detmold Ost der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde, VIRA – Vereinigung zur Integration der rußlanddeutschen Aussiedlern e.V., IKZ – Internationales Kulturzentrum und OBSA – Otto Benecke Stiftung Absolventenverein. Ausdrücklich zu betonen ist, daß die Teilnehmerschaft auch engagierte einheimische Deutsche und verschiedene Altersgruppen sowie Migrationshintergründe einschloß, womit eine heterogene und ergiebige Zusammenarbeit gewährleistet wurde.

Der Kongreß wurde im Rahmen des „Aktionsprogramms für mehr Jugendbeteiligung“ von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Deutschen Bundesjugendring gefördert und finanziert.
Noch am Freitag wurden die Teilnehmer nach dem Kennenlernen in vier thematische Blöcke aufgeteilt: „Präsenz und Darstellung in den Medien“, „Miteinander leben lernen“, Mitmachen –Beteiligungsprozesse moderieren und initiieren“, „EU-Projekte – Beteiligung im Europäischen Kontext initiieren“. Zugleich wurde die Vertretung von verschiedenen Vereinen in jedem Workshop angestrebt. In allen Workshops wurden als Hauptthema die Techniken des Projektmanagements aktiv behandelt und anhand von fiktiven oder tatsächlichen Projektideen in kleineren Gruppen trainiert. Es war interessant zu erfahren, worauf man bei der Projektbeantragung und Durchführung zu beachten gilt, wie etwa das passende Logo und der treffende Name des Projekts, die Suche nach Promoter bzw. Sponsoren, Terminierung, Werbung, Ansprechpartner bzw. Kundenfindung etc. Schließlich gab es am Sonntag unter dem Motto „Marktplatz der Ideen“ ein reger Austausch von Workshopergebnissen unter allen Kongreßteilnehmern.

Vor den eigentlichen Workshops fand am frühen Samstag noch ein Expertengespräch mit Prof. Dr. Susanne Lang von der Hochschule Mannheim, NRW-Landtagsabgeordneten Ingrid Pieper-von Heiden, Sozialarbeiter Udo Reineke, Geschäftsführerin des DJR Albina Nazarenus-Vetter und Direktor des Instituts für Migrations- und Aussiedlerfragen Dr. Johannes Stefan Müller. Angesprochen wurden solche Themen wie
• der Jugendlandtag in NRW, • der erhöhte Ausländeranteil unter den Selbständigen in der Bundesrepublik, • die Vereinbarkeit von Gläubigkeit und Papst-Events mit Ansprüchen der Subway- bzw. @-Generation, • die Scheu der Jugendlichen vor „Riesenplanspielen“, aber dafür umso überzeugendes Engagement in kurzzeitigen Projekten, die Schwierigkeit der Migranten nach den Erfahrungen in den organisierten Strukturen in ihrem Herkunftsland sich in der deutschen „Labberstruktur“ zurechtzufinden (Udo Reineke), • eine gewisse Scheu oder Resistenz, ja, Überheblichkeit der „etablierten“ Jugendorganisationen vor den selbstorganisierten Migranteninitiativen und Notwendigkeit der Zusammenarbeit, • finanzielle Sorgen und Ressourcenverteilung im Rahmen der Jugendarbeit (unter Migranten), • mögliche Gefahr der – anstelle von Integrationsförderung – Förderung der Separation, • Schaffen von Zeit-, Themen- und Raumfenster für Jugendliche und Förderung des selbständigen Engagements.
Der Aufenthalt in der Heimvolkshochschule wurde mit der Play-Back-Theatervorstellung, Live-Musik-Disko mit dem sowjetischen, russischen, britischen, amerikanischen, italienischen und deutschen Repertoire und Sozialisierungskurzspielen abgerundet. Vor der Abreise gab es einen organisierten Kontaktaustausch unter allen Teilnehmern und allgemeine Bewertung der Gesamtveranstaltung.
Insgesamt war das Wochenende mit einem ergebnisreichen, austauschreichen, zuweilen anstrengenden und dichten, aber dennoch ausgewogenen Programm in einem angenehmen Ambiente und mitten in einer historischen und zugleich funktionalen Architektur gefüllt. Solche Treffen mit Implikation von verschiedenen Multiplikatoren und Verbänden (mit internationaler Besetzung), wo man sowohl das theoretische Know-how von Experten aneignen als auch die praktische Umsetzung von konzeptionellen Modellen spielerisch ausprobieren kann, sind – auch im Sinne der Förderung von Zivilgesellschaft – ausdrücklich zu begrüßen.
Aleksej Golowerda, OBSA

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